Nähen nach Schnitten auf Maß: golden-pattern #1

Das EM-Spiel am Donnerstag war trotz Mats Hummels so dermaßen fad, dass ich zu Herrn B.s Verärgerung begann, mal wieder nebenher auf dem Laptop rumzudaddeln. Wenn schon kein Tor, dann wenigstens neue Schnitte! Es ist nicht so, dass ich tatsächlich welche brauche, aber das, was ich rumliegen habe, ist irgendwie gerade nicht das richtige. Nach dem sechsten AnnaDress (mein persönlicher Vielfach-Nährekord, siehe Instagram) ist es jetzt mal gut und ich möchte mich auf etwas Neues stürzen.

Für den Herbst wünsche ich mir schon länger ein Cape, fündig wurde ich hier. Wenn ich so rausschaue, könnte ich es auch jetzt schon ganz gut tragen, aber das Cape muß  trotzdem erst einmal warten, denn während meiner Surftour durch das Nähnetz stieß ich noch auf ein anderes sehr spannendes Thema:

Nähen nach Schnitten auf Maß.

Auf irgendeinem Nähblog hatte ich vor Monaten schon einmal darüber gelesen, den Gedanken für gut befunden und doch wieder vergessen. Dabei ist das für mich als Birnenfrau doch einfach DIE Lösung! Besonders bei engen Kleidern stehe ich mit meinen unterschiedlichen Kleidergrößen von oben nach unten immer schön blöd da. Bis das Joanie-Kleid saß, war es ein ziemlich langer Weg. Den könnte man sich mit so einem Maßschnitt doch bestimmt ersparen?

Bei meiner Suche nach dem perfekten Schnitt landete ich zuerst bei Lekala.

Eine Seite aus Russland, auf der man auf den ersten Blick in großer Auswahl recht günstige (ab 2,99 €) und einigermaßen modische PDF Schnitte bekommt. Bei der Bestellung gibt man einfach die persönlichen Maße an und nach ein paar Minuten ist der ganz persönliche Schnitt im E-Mail Postfach. Klingt gut. Ist es aber wohl nicht. Bei meiner Recherche zu Erfahrungen mit Lekala stieß ich schnell auf einen ausführlichen und ernüchternden Bericht von Sewing Galaxy.

Immer noch torlos ging die Reise weiter zu golden-pattern.

Nicht erschrecken, das Grafikdesign dieser Seite kommt direkt aus der Hölle, davon sollte man sich aber nicht beirren lassen. Die Idee dieses Anbieters besteht darin, dass man mit Hilfe einer kostenlosen Software (inklusive gratis T-Shirt Schnitt zum ausprobieren) selbst Schnitte auf Basis der eigenen Körpermaße erstellen kann. Dazu muss man Lizenzen für Baukastenschnitte erwerben, die alle so um die 12-25€ kosten. Schön ist dabei, dass man viele Parameter wie Ausschnittform, Rocklänge/ -weite uvm. selbst einstellen kann. Wenn man bedenkt, was manch andere Label für Ihre Downloads (die weniger variabel und schon gar nicht auf Anhieb passend sind) verlangen, finde ich das noch im Rahmen. Allerdings muss man selbst ausdrucken, was sowohl Zeit als auch Geld kostet, das sollte man bei den PDF-Geschichten immer bedenken.

Die meisten gezeigten fertigen Modelle sind meiner Meinung nach ziemlich gruselig, es bedarf schon etwas größerer Vorstellungskraft um das Potential der Schnitte zu erfassen. Sie sind sicherlich auch nicht der letzte modische Schrei, aber da kann man mit ein wenig Näherfahrung durchaus selbst noch den ein oder anderen Clou hinzufügen. Mir geht es für den Anfang erst einmal darum, etwas tiefer in das Thema eigne Schnitterstellung einzutauchen, da muss man nicht gleich wahnsinnig raffinierte Teile zaubern. Und vielleicht kann ich anhand dieser Schnitte ein besseres Auge dafür bekommen, warum mir Schnitte von der Stange nicht passen und was ich anders machen muß.

Lucy von Nahtzugabe hat sich schon vor Jahren näher mit den Schnitten befasst und das Prinzesskleid erfolgreich getestet, und auch hier gab es positive Stimmen, also habe ich beschlossen, dieses System auch einmal unter die Lupe zu nehmen (ohne dass ich dafür etwas bekomme):

Die Software ist ratzfatz runtergeladen und hat wie gesagt ein etwas holpriges Layout, aber egal. Leider gibt es das Buch (von dem auch Lucy berichtet) nicht mehr zu kaufen und so muß man sich mit dem Hilfemenu eben alleine durch das Programm wurschteln.

Zuerst sollte man sich das Maßblatt ausdrucken und jemanden bitten, die 34 gewünschten Maße zu nehmen. Alleine wird das nämlich nichts. Danke nochmal an Herrn B.! Ob jetzt alle Maße unbedingt nötig sind, weiß ich nicht, denn ich werde demnächst sicher nicht auf die Idee kommen mir Handschuhe zu nähen, aber wer weiß, so hat man eben für den Fall der Fälle alle Maße mal parat.

collage maßtabell

Die Zahlen überträgt man in eine Datei, die dann -je nachdem für wen genäht wird- in den aktuellen Schnitt einspeist wird. Daraufhin erstellt das Programm eine gewöhnungsbedürftige Figurine, die im Anschluss nach Herzenslust eingekleidet werden kann. Herr B. kriegt demnächst auch noch seine eigene Maßdatei und wird dann endlich mit Hemden aus dem Hause Nadelbernd eingekleidet, Herrenschnitte gibt es dort nämlich auch. Das ist schon mal sehr praktisch, wenn man die ganze Familie einkleiden möchte.

collage figurine

Den Dreh wie das Ganze funktioniert hat man nach ein paar Klicks schnell raus und kann nach Erwerb einer Lizenz mit dem Konfigurieren des Schnittes beginnen.

Vor dem Kauf solltet Ihr genau schauen, was alles am Schnitt verändert werden kann, bei der Kleiderlizenz war ich etwas enttäuscht, dass keine Ärmel dabei sind, die gibt es nur beim Prinzesskleid.

Entweder stellt man selbst ein, wie der Rock/ das Kleid/ die Hose aussehen soll, oder überlässt es dem Zufallsgenerator, der dann aber auch bitte selbst den gürtelähnlichen Rock trägt, den er designt.

collage röcke

Ist alles entschieden generiert das Programm den Schnitt in Form einer PDF Datei. Schön ist, dass man zwischen lustiger A4 Kleberei und einem Großformat für den Copyshop wählen kann. Nahtzugaben sind nicht enthalten, dafür gibt es eine bebilderte Nähanleitung. Was fehlt ist eine Angabe zum Stoffverbrauch, der aufgrund der vielen Variationsmöglichkeiten aber auch schwierig wäre. Als Nähnerd weiß man ja auch ungefähr, was wieviel Stoff benötigt.

Schnitte

Bisher habe ich mich immer vor dem Nähen einer Hose gedrückt, weil mir das mit den sicherlich nötigen Änderungen wegen meiner etwas ausladenden Hüfte zu kompliziert war. Herr B. hat sich neulich bitterlich beschwert, dass ich überhaupt und nur noch Kleider oder Röcke trage, obwohl er mich lieber in Hosen sieht. Oha…Die Tücken des Nähnerdtums…Vielleicht werde ich ihm mit der passt! Software ganz bald eine kleine textile Freude bereiten können.

Ich bin sehr gespannt, ob das Projekt ein Erfolg wird!

Nadelbernd Logo

 

8 replies »

  1. Da bin ich ja echt gespannt!
    Bisher habe ich ja Schnitte nur „per Hand“ gezeichnet, ein Programm wäre da doch ein Fortschritt.
    Viel Erfolg & berichte uns bitte weiter!!!
    LG
    Katrin

  2. Das ist ja cool! Ich habe mir die Website jetzt auch gerade angeschaut und die Modelle sind ja mal absolut brutal. Vor kurzem habe ich mal so etwas ähnliches für Männer getestet, da sind die Schnitte aber kostenlos. Anscheinend habe ich da aber irgendwo falsch gemessen, da das Ergebniss zu klein und um die Schultern etwas deformiert war. Ich bin schon gespannt wie es bei dir klappt, vor allem die Jeans (ich hab auch eine etwas breitere Hüfte)!

  3. Oh, das liest sich superspannend! Mit der Erstellung eines Blusengrundschnittes habe ich auch schon rumprobiert, bin aber noch unzufrieden. Per Computer zu erstellen liest sich dagegen luxuriös – bitte bei Gelegenheit weiter berichten. Ich wünsche Dir gutes Gelingen & viel Spaß beim Nähen! Liebe Grüße von Mrs Go

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