Nähen nach Schnitten auf Maß: golden pattern #2

Die ersten beiden Kleider, die ich mit Hilfe der passt!-Software von golden pattern genäht habe sind fertig. Alles in allem bin ich recht zufrieden, Luftsprünge mache ich aber auch nicht unbedingt. Mhm. Wieso?

Nach einigem Rumprobieren mit dem Schnittmustergenerator stellen sich die Schnitte doch nicht ganz so wahnsinnig variabel wie gedacht heraus. Jedenfalls nicht für meine Bedürfnisse. Hat man alles irgendwie doch schon mal genäht, wenn auch vielleicht weniger gut sitzend. Das ausverkaufte Buch mit ausführlichen Anleitungen kann man übrigens für 5,00 € doch noch als PDF bekommen, Danke an Ute für den Hinweis, das hatte ich übersehen.

Mein erstes Projekt war dieses Kleid. Ein schlichtes Modell mit drei Abnähern, bei dem man schon das eine oder andere an Ausschnitt, Weite und Länge verändern kann, wirklich mehr Pfiff bekommt der Schnitt dadurch aber auch nicht. Damit ist es also eher ein Fall für das Brot-und-Butter-Nähen, das natürlich auch seine Berechtigung im Kleiderschrank hat.

Nicht so schön:

  • Leider gibt es für das Kleid keine Ärmel. Da ich bin keine große Freundin von käsigen nackten Oberarmen bei mir bin, hätte ich gerne noch eine Ärmeloption gehabt, zum Preis von 17,50 € habe ich keine große Lust mir selbst welche zu basteln. Mäh. Hätte ich mal die Details richtig durchgelesen, wäre mir das auch nicht entgangen, also selbst schuld. Für jeden Schnitt werden nämlich die verstellbaren Parameter ausführlich angeben.
  • Ein weiterer Minuspunkt ist für mich, dass man sich die Beläge selbst anzeichnen muß, das ist zwar keine Kunst, aber ich habe gerne gleich alle Schnitteile beisammen ohne noch selbst Teile zu konstruieren.

 

collage etui

 

Das Konfigurieren des Wunschmodels geht sehr fix, die Skizze verändert sich zur Veranschaulichung immer gleich mit. Hat man sich entschieden, bastelt das Programm daraus einen Schnittbogen entweder in groß für den Copy Shop oder auf A4 für die Freunde des fröhlichen Klebens. Ich habe mich für die Tesafilm-Variante entschieden, da sich das Ganze mit 20 Seiten in Grenzen hielt. Die Linien auf den einzelnen Seiten passten schon mal gut zusammen, das kenne ich durchaus auch anders.

Weil es ein Testlauf war, habe ich nicht eines meiner größten Stoffschätzchen verwendet, sondern einen langweiligen grauen Baumwollstoff, der im Nachhinein für das Kleid etwas dicker und mit mehr Stand hätte sein können.

Ohne auch nur die klitze-kleinste Änderung sitzt das Kleid schon mal erstaunlich gut:

 

collage1

 

Zur Passform:

  • Die Abnäher sitzen auf der richtigen Höhe und es gibt am Rücken keinen abstehenden Quasimodo-Keil wie sonst bei fast allen Kleidern, die ich nähe.
  • Der Armausschnitt ist genau richtig, genug Platz zum Bewegen und zu wenig um den BH freizulegen. Für das Probeteil war ich zu faul entweder Belege für die Armausschnitte zu machen oder sie mit Schrägband einzufassen. Durch das einfache Umnähen der versäuberten Kanten hat sich der Ausschnitt an manchen stellen etwas verzogen. Egal, wenn das Kleid zum Einsatz kommt höchstens im Büro und da ist dann entweder ein Blazer oder eine Strickjacke drüber.
  • Am Rücken gibt es zwar die eine oder andere Falte, das passiert aber nun mal, wenn man sich bewegt und der Rock etwas nach oben gezogen wird. Da würde ich jetzt mal sagen, das ist OK und bei etwas festerem Stoff wahrscheinlich auch weniger der Fall.
  • Um die Hüfte könnte es eventuell nach ein bisschen mehr Stoff sein, da sitzt das Kleid recht spack. Hat Herr B. falsch gemessen, die große Zahl wohlwollend nach unten korrigiert oder habe ich das Kleid einfach zu weit runter gezogen?
  • Ein anderes Problem, dass ich sonst immer bei V-Ausschnitten feststelle, gibt es hier auch nicht. Nichts steht komisch nach vorne ab. Ich bin entzückt!
  • Auch die Länge war ganz gut, weil ich mit 1,63 m nicht gerade riesig bin, muß ich sonst immer ziemlich viel am Saum abschneiden und kaufe dementsprechend oft zuviel Stoff.

Ich kann also in Zukunft andere Schnittteile vergleichend auf dieses Schnittmuster auflegen und entsprechend anpassen, das ist doch schon mal was!

 

collage2

***

Als nächstes habe ich mir den Schnitt für die Tunika vorgenommen. Eigentlich passformtechnischer Käse, weil es ja ein wenig körpernaher Schnitt ist. Für den flutschig-nervigen Viskosestoff war mir der Schnitt, der durch das Gummiband/ den Gürtel an der Taille ohne Reißverschluss auskommt aber gerade recht.  Für 14,50 € nicht gerade günstig, man sollte aber immer im Hinterkopf haben, dass sich der Preis relativiert, weil man ja eine ganze Familie damit benähen kann. Bei 20 zu druckenden Seiten habe ich wieder den Tesaroller gezückt.

 

collage tunika

 

Die Tunika kommt mit sehr wenig Nähten aus, die es eigentlich nur an Ausschnittbelegen, den Säumen und an der Seitennaht gibt. Geht also recht schnell, wenn man sich nicht so blöd anstellt wie ich. Ich habe nämlich ein bisschen mit der richtigen Lage des Gummibandes gekämpft, das ich 2x eingenäht habe. Die im Schnitt angegebene Position erschien mir erst zu niedrig, was sie aber nicht ist. Für das Auftrennen des elastischen Zick-Zack Stiches ging fast eine ganze Folge Shopping Queen drauf, da sollte man vorher gut überlegen, wo man ihn sitzen haben möchte oder einfach mal dem Schnittmuster vertrauen.

Diesmal ist sogar ein Beleg mit dabei, der am Rücken aber keine ganz perfekte Passform hat, er zieht sich irgendwie immer nach oben. Vorne sitzt dafür alles  gut.

Die Beispielmodelle von golden pattern sind wie immer furchtbar, mit meiner Version bin ich aber sehr zufrieden:

 

collage4

 

Der Stoff ist ziemlich transparent, da muss auf jeden Fall noch ein Unterkleid drunter. Das luftige Flapperkleid geht gut auch noch im Herbst mit Strumpfhose, mit Blazer  fürs Büro und falls es aus Versehen doch noch mal heiß wird ist es sicher gerade dann sehr gut zu tragen. Ausserdem passt die ultramarinblaue Kugelkette super dazu. Ich mag das Kleid sehr gerne, nichts zwickt und man hat viel Bewegungsfreiheit.

 

collage3

collage6

 

Das Projekt passt! ist also ausbaufähig, die Schnitte können was und demnächst probiere ich noch

  • den ein oder anderen Rock (hier habe ich immer Probleme mit einem passenden Bund),
  • das Prinzesskleid (ich werde versuchen es etwas weniger langweilig umzumodeln) und
  • einen Hosenschnitt (darauf bin ich am meisten gespannt) aus.

Nadelbernd und ich werden natürlich berichten, ob auch diese Schnitte etwas taugen, bis dahin!

 

Nadelbernd Logo

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Kategorien:Nähnerd

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5 replies »

  1. Interessant.
    Ich habe ja immer manuell konstruiert, aber so ein Programm ist natürlich eine Prima Sache, wenn man nicht allzuviel Zeit investieren möchte und vielleicht auch nicht sooo wahnsinnig an den Konstruktionsgrundlagen interessiert ist. Finde ich nicht übel, ich bin sehr gespannt, was Du weiterhin berichtest!
    LG
    KAtrin

  2. Vielen Dank dass du deine Eindrücke schilderst. Ich habe mir gerade erst ein Buch zur Schnitterstellung gekauft, bin aber noch etwas überwältigt von der Aufwändigkeit. Muss mich noch ein wenig motivieren…

    • So ein Buch hab ich hier auch noch, wirklich reingeguckt habe ich aber noch nicht. Golden pattern schien mir eine unkompliziertere Variante zu sein. Zumindest um es als Basis für andere Schnitte.
      Liebe Grüße, Nadine

  3. Hallo Nadine, mir gefällt das Tunikakleid besonders gut! Die schwarze Kette finde ich auch ganz toll dazu.
    Im Moment experimeniere ich gerade mit Valentina (eine Freeware)in Kombination mit Winfried Aldrich zur Erstellung eines Hemdenschnittes. Ich nehme mal an das Golden Pattern ähnlich arbeitet nur das die Formeln zur Schnittmustererstellung schon vorgegeben sind.
    lg Stefan

    • Danke sehr! Zu den Formeln bei golden pattern kann ich gar nicht viel sagen, ich hab ja nur meine Maße eingetippt 😉 Dafür kenne ich mich zu wenig mit Schnitterstellung aus und ich glaube, dass ist mir auch zu kompliziert.
      Valentina kenne ich gar nicht, da guck ich gleich mal!
      Liebe Grüße, Nadine

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