Von Highlands, Tweed und Wohnmobilen…

Herr B. und ich verbrachten unseren großen Urlaub dieses Jahr in Schottland. Mit dem Wohnmobil. What?! wird nun der ein oder andere sagen, der mich etwas besser kennt. Denn ich bin wahrlich kein Freund von Camping. Ich mag nicht morgens derangiert über den Campingplatz zur Toilette stapfen oder wahlweise in einer Minizelle an Board duschen, immer die Angst im Nacken, dass gleich der Wassertank leer ist. Und 11 Tage Aneinanderkleben auf engstem Raum muss man als heimlicher Misanthrop schon auch mögen. Ach ja, und links fahren ist natürlich ebenfalls abenteuerlich, erst recht, wenn man es noch nie gemacht hat. Dann aber bitte gleich mit einem Wohnmobil, nicht dass es langweilig oder gar erholsam wird. Egal, wir hatten keine Lust auf eine Rentner-Busrundreise und haben uns einfach mal ins Abenteuer Camping in Schottland geworfen!

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Die Straßen in Schottland sind nicht überall die besten und der Kreuzungsspicker war wirklich nicht eine meiner schlechtesten Ideen.

Herr B. hat sich prima und ohne Blechschaden durch die in Schottland oft vierspurigen Kreisel (gerne auch mitten auf der Autobahn!) gewurschtelt und ich war als stets um den linken Seitenspiegel besorgter Navigator auch gar nicht mal so unpraktisch. Insgesamt sind wir 832 Meilen -mit dem klappernden Geschirr in den Schränken ein bisschen wie der fahrende Jakob- durch Schottland gefahren, unsere Tour führte

  • vom Flughafen Edinburgh nach Kelty (wenn es zeitlich irgendwie geht mit dem Bus 747 fahren, das Taxi ist sehr teuer!), wo wir das Wohnmobil in Empfang nahmen
  • weiter über Blairgowrie (schnuckeliges Städtchen mit sehr unterhaltsamen Highlandgames) nach
  • Inverness (wahrlich keine Perle…)
  • mit östlichem Abstecher an die Küste nach Nairn (sehr schöner Strand) und Elgin (nettes Städtchen mit eindrucksvolle Ruine einer Kathedrale),
  • von dort entlang am Loch Ness (enttäuschend unspektakulär)
  • zur Isle of Skye (wunderschön trotz Mistwetter, ein Traum in grün und violett!)
  • und zurück nach Edinburgh (unbedingt anschauen!) über Fort William (naja, sehr auf Touristen getrimmt, weil es am Ben Nevis, dem höchsten Berg Schottlands liegt)
  • durch Glencoe (trotz sinnflutartigem Regen sehr beeindruckend)
  • und Stirling (schickes Schloss mit Einhorn, etwas schlonziges Städtchen).

Belohnt wurden wir für den Fahrstress mit sehr, sehr beeindruckenden Landschaften und das schottische Wetter präsentierte all seine Facetten:

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Feinstes Wetter am Strand von Nairn, am Fort George und in der Kathedrale von Elgin.

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Nicht ganz so feines Wetter auf der Isle of Skye aber das gehört da auch so, finde ich.

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Saftiges grün, leuchtende Heide und die wilden Wolken, ich vermisse euch!

Mit dem Wohnmobil darf man in Schottland übrigens überall dort, wo das Schild „NO OVERNIGHT PARKING“ nicht zu finden ist  wild campen, das spart natürlich bares Geld, denn ein Stellplatz kostet mit dem Wohnmobil pro Nacht um die 20 Pfund, in der Hauptsaison eher noch mehr. Und im Wald oder an einer Klippe  ist es trotz oder gerade wegen eines leichten Sturms auf jeden Fall eindrucksvoller als in Reih und Glied auf dem Campingplatz. Der Regen prasselt so oder so die ganze Nacht aufs Dach…

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Einen schönen Platz zum Übernachten findet man früher oder später immer, solange der Wassertank und das WC nicht nach einem Campingplatz rufen.

Neben der grandiosen Natur hatten wir noch jede Menge andere wunderbare Erlebnisse, wie zum Beispiel die urigen Highlandgames in Blairgowrie, wo starke Männer in schicken Kilts Betonkugeln wuchteten, Baumstämme warfen und lustige Highlander erklärten, wie man einen Kilt fachmännisch wickelt. Achtung, die ständigen Dudelsack-Einlagen fressen sich für lange Zeit ins Gehör!

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Highlandgames, die es in jedem größeren Städtchen über den ganzen Sommer verteilt gibt, sollte man sich auf jeden Fall anschauen, ein uriges Highlight schottischer Tradition.

Ich mag sehr gerne alte Schlösser, die über ganz Schottland mal gut, mal weniger gut erhalten verteilt zu finden sind. Wer erkennt die beiden unteren wieder?!

Wenn man sich für alte Gemäuer und historische Stätten interessiert, lohnt sich vor Urlaubsantritt der Kauf eines der unterschiedlichen Sightseeing-Pässe, die visit britain online anbietet.

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Doune Castle (Outander, Game of Thrones, Die Ritter der Kokosnuss) und Eilean Donan Castle (Highlander)

Mit unserem Historic Explorer Pass, haben wir einiges an Eintrittsgeldern gespart, die sind nämlich durchaus happig. So kostet das Edinburgh Castle zum Beispiel satte 16,50Pfund! Die bereut man umso mehr, wenn man nach einer Stunde von den mit Selfie-Stick bewaffneten Touristenmassen entnervt aus dem Schlosshof flüchtet.

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Edinburgh Castle ist sehr imposant, leider sogar im September total überlaufen. Der Blick über die Stadt ist trotzdem großartig!

Fern halten sollte man sich zum Shoppen besser auch von der wuseligen High Street (ein gruseliger Souvenier-Laden quetscht sich an den nächsten) oder der typischen Shopping Meilen auf der Princes und George Street (bis auf das altehrwürdige Jenners nur seelenlose Modeketten) und stattdessen lieber auf dem Weg zum Grassmarket durch die kleinen individuellen Lädchen in der Cockburn und Victoria Street schlendern.

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Ein Blick in das Kaufhaus Jenners in der Princes Street lohnt sich wegen der Architektur, in der Royal Mile gibt es in einer alten Kirche einen entzückenden kleinen Kunsthandwerker Markt. Ansonsten lieber über die Cockburn Street ab zum Grassmarket!

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Wie man sieht, war die Shopping Tour erfolgreich…

Direkt am Grassmarket gibt es den coolsten Vintage Shop überhaupt, hier haben Herr B. und ich ganz gut zugeschlagen, denn wo bekommt man so schnell wieder so günstig tolle Tweedstücke?! Den leichten Muffelgeruch hat die Reinigung bereits beseitigt. Leider ist die Hose etwas eng und ich muss sie noch ein wenig ändern, dafür passt der Karo-Rock wie angegossen, ich zeige in demnächst bestimmt mal auf Instagram.

Bei Walker Slater in der Victoria Street habe ich mir ein Jackett aus Harris Tweed und ein Stück dazu passenden blauen schottischen Tweed gegönnt, der bereits zu einer Jupe Anémone von Deer & Doe zugeschnitten ist. Große Freude!

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Wenn man schon in Schottland ist, kommt man als Nähnerd nicht am schottischen Tweed vorbei.

Natürlich habe ich unsere Reise auch genutzt, um mich mit britischen Nähmagazinen einzudecken. Die Nähmagazinauswahl in Großbritannien ist weitaus größer als in Deutschland. Pembertons in Stirling war das einzige Handarbeitslädchen, das ich in Schottland entdeckt habe, in Edinburgh scheinen die gut versteckt zu sein.

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Und natürlich hamstert der Nähnerd im Urlaub auch ausländische Nähmagazine und sucht verzweifelt Stoffläden.

Auffallend ist, dass die Magazine immer in reichlich auffällig bunter Folie mit diversen Gadgets verpackt sind. Umweltbewusst geht anders. Herr B.s Vergleich mit Yps-Heften für Nähmädchen statt Nerdjungs ist gar nicht mal so abwegig. Anders als in Deutschland enthalten die Magazine keine Schnittbögen mit mehreren Modellen á la Fashion Style und Burda, sondern es liegen immer ein bis drei komplette Schnitte bei, zusätzlich gibt es gelegentlich noch Downloadschnitte im Heft. Auch kein schlechtes Konzept, oder. Findet ihr denn immer mehr als zwei wirklich brauchbare Modelle in der Burda Style? Die gibt es auf der Insel natürlich auch in englischer Version, ansonsten habe ich keine bei uns bekannten Magazine mit dem Schnittbogenkonzept entdecken können.

Die UK-Magazine verfolgen nach meinem Eindruck als Mittel zum Zweck eher das Ziel der geschickt verpackten Werbung für Schnitthersteller. Mit den Gadgets werden Speckwürfel zum Kauf geworfen und in den Zeitschriften finden sich dann viele Verweise auf diesen oder jenen Schnitt, im Moment total angesagt ist und unbedingt genäht werden sollte.

Im Schnitt bezahlt man für ein Heft 6-7 Pfund, Ausnahmen mit 3 Schnitten auch mal 10 Pfund. Wenn man mal rechnet, was man hier für zwei Butterick Schnittmuster bezahlt, ist das wirklich okay.

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Alles schon gesehen, aber eben nicht auf Englisch. Ich schaue gerne, wie und was im Ausland genäht wird.

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Diese beiden Schnitte möchte ich auf jeden Fall ausprobieren, ein Latzhosenkleid hab ich noch nicht und Maritim geht ja immer.

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Links hat mich der Jumpsuit angelacht und Retro-Schnitte mag ich sowieso.

In dem kleinen Lädchen in Stirling habe ich mir wahrscheinlich so ziemlich als letzte auch endlich einen Jumpsuit-Schnitt gekauft, Nina und Wiebke haben so schöne Modelle genäht, dass ich es für mich nun auch endlich versuchen werde, obwohl ich da figurtechnisch so meine Zweifel habe. Dieser Schnitt von New Look ist aber genauso, wie „mein Jumpsuit“ sein sollte. Also einfach ausprobieren!

Ein weiterer Wunschkandidat für die neue Herbstgarderobe ist der (ihr ahnt es schon) Tweed-Rock aus der aktuellen Ottobre. Ihr dürft also gespannt sein, was der Schottlandtrip hier demnächst noch alles zum Vorschein bringt…

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Nadelbernd Logo

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9 replies »

  1. hallo, liebe nadine, toller bericht, macht total lust auf das land. meinst du, du kannst die erstandenen hefte mal mit zum workshop bringen? lg ute

  2. Total schön zu lesen! Wir haben genau das gleiche gemacht, obwohl wir auch keine Campingfreunde sind. Ich hänge mit meinem Bericht noch hinterher, aber es ist total schön alles noch mal in Ruhe durchzugehen und in Gedanken noch mal zu erleben 🙂

  3. Liebe Nadine, dein Reisebericht weckt schöne Erinnerungen an meinen eigenen Trip, im Schlaflagerbus!!!, kreuz und quer durch Schottland.
    Deine Post-it’s mit der Linksverkehr-Fahranleitung sind G_E_N_N_I_A_L! Die solltest du dir patentieren lassen.
    Ich zumindest werde sie bald ausprobieren 😉
    Liebe Grüße Tutti

  4. Ach, war das schön zu lesen! Mein Herz schlägt auch für Schottland, das ich früher per Interrail, Fahrrad und Wohnmobil erkundet habe. Allerdings damals noch nicht nähbegeistert, so dass ich mir den Tweed entgehen lassen habe. Ich bin schon gespannt auf Deine reise-inspirierten Nähwerke! Viele Grüße und gutes Gelingen wünscht Dir Mrs Go

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