Stilphilosophie -Was wir tragen, was wir sind #1

Vor ein paar Tagen entdeckte ich via Instagram Nicos feinsinnigen Blog Art und Stil. Dort hat sie eine wie ich finde sehr spannende Blogserie ins Leben gerufen. Inspiriert wurde sie dazu durch Frauen und Kleider -Was wir tragen was wir sind:

frauen-und-kleider

Ich kannte dieses Buch bis dahin nicht und habe es gleich mal bestellt, weil ich das Thema als kleiderverrückte Hobbynäherin sehr reizvoll finde.

Es ist dicker als erwartet und sehr schön aufgemacht, so zumindest mein Eindruck beim ersten groben Durchblättern. Zu mehr hat es leider noch nicht gereicht, wird aber demnächst dringend geändert.

Die drei Autorinnen von Frauen und Kleider haben über 500 Frauen aus aller Welt mit Hilfe eines Fragenkatalogs in Form von Bildern und Geschichten darüber erzählen lassen, warum sie sich wie anziehen.

„Selten wird so offen, so unterhaltsam und gleichzeitig so ernsthaft und anspruchsvoll über Mode gesprochen.“

Beate Berger, Vogue

Über Mode sprechen möchte Nico nun auch mit uns und erweitert den Kreis der Befragten in ihrem LinkUp zur Blogserie Stilphilosphie Teil 1. Diesmal wirft sie folgende Fragen in die modeaffine Runde:

 

Welche Unterhaltung über Mode oder Stil hat Dich verändert?

Puh. Die erste Frage ist für mich gleich ziemlich schwer zu beantworten. Ich kann nicht sagen, dass mich eine bestimmte Unterhaltung über Mode verändert hat. Zumindest fällt mir kein bahnbrechendes Gespräch dazu ein. Bei mir hat sich enorm viel getan, seitdem ich in der Lage bin, meinen Kleiderschrank mit Eigenkreationen genau nach meinem Geschmack zu füllen. Das hat mich experimentierfreudiger und mutiger in Bezug auf Mode gemacht. Und auch das Bewusstsein dafür , wie viele Stunden Arbeit in einem scheinbar schlichten Kleidungsstück stecken, hat sich gehörig verändert und mich mein Konsumverhalten überdenken lassen.

Vielleicht kann man aber auch den Austausch mit anderen Nähbloggerinnen im Netz als eine Art verändernde Dauerunterhaltung sehen, die mich immer wieder inspiriert, durchaus beeinflusst und somit auch in meinen Ansichten über Mode und Stil wandelt. Ich schaue mir gerne bei anderen etwas ab und übersetze es dann in meinen ganz persönlichen Style.

 

Mit wem redest Du über Kleider?

Der erste, der ein neues selbstgenähtes Teil von mir sieht ist in der Regel Herr B.. Der gibt dann auch gerne ungefragt seinen Senf in Form von Kommentaren wie „Der Stoff sieht aus wie Ommas Vorhang“ oder „Das wievielte Kleid, dieser Art ist das?! Ich mag dich ja lieber in Hosen…“ ab, manchmal findet er die Sachen sogar tatsächlich hübsch. Kann man aber rot im Kalender anstreichen, unsere Ansichten gehen da bisweilen recht weit auseinander. Im Moment wird er sogar von mir mit einer klassischen Tweedweste benäht und wir haben gemeinsam lange nach dem richtigen Schnitt gesucht und diskutieren noch über die Knöpfe.

Herr B. ist an sich nicht soo wahnsinnig an Mode interessiert, dafür hat er einen sehr guten Freund, der sich schon mal den ein oder anderen Anzug in England hat maßschneidern lassen. Mit ihm kann man prima über dieses Thema fachsimpeln, weil er die Begeisterung für Kleidung und ihren Herstellungsprozess teilen kann.

Freundinnen und Bekannte geben zwar hier und da mal ein nettes Kompliment, wenn sie ein neues Teil an mir entdecken, wirklich über Kleidung mit Ihnen diskutieren tue ich in dem Sinn aber nicht, schade eigentlich. Ich bekomme oft den Kommentar „Das würde ich auch gerne können!“, einen wirklichen Nerv dazu hat aber leider keine(r). Was mir in meinem Freundeskreis schon fehlt, ist jemand, der wie ich gerne Retro-Kleidung näht und trägt und den man dann auch nicht mit Gesprächen darüber langweilt. So bleibt dann „nur noch“ Austausch über die Nähnerdgemeinde im Internet. Die ist aber auf ihre Art auch schön und ich möchte sie nicht mehr missen. Auf diesem Weg bin ich schliesslich auch auf einen Nähtreff in der Umgebung gestossen. Dort wird beim gemeinsamen Nähen natürlich auch über Kleidung, Stoffe und Schnitte gesprochen.

 

Glaubst du, du hast Geschmack oder Stil? Was ist dir wichtiger? Was verstehst Du darunter?

Rein beruflich wäre es als Innenarchitektin schon von Vorteil, wenn man eine gewisse Portion Geschmack und Stil mitbringt… Also sage ich da ganz selbstbewusst, dass das wohl so ist. Was genau ist eigentlich bitte der Unterschied zwischen Geschmack und Stil frage ich mich gerade?

Wikipedia sagt dazu:

Der Ausdruck Stil bezeichnet eine „charakteristisch ausgeprägte Erscheinungsform“ (…) oder das „einheitliche Gepräge der künstlerischen Erzeugnisse einer Zeit“ (…).Ebenfalls mit ‚Stil‘, oft als Teilausdruck, wird die meist in engem Zusammenhang mit der Erscheinungsform einer Sache stehende „Art und Weise der Ausführung“ (…) bezeichnet.

Geschmack (Kultur), subjektives Werturteil: dass etwas jemandem gefällt (ästhetisch, sozial, ethisch oder moralisch verstehbar)

Stil muss nicht unbedingt gefallen, hier ist der Wiedererkennungswert denke ich der größere Faktor. Geschmack hingegen ist glaube ich eher etwas Subjektives, wie man so schön sagt, „sind die Geschmäcker verschieden“ und „über Geschmack kann man streiten“. Das ist auch gut so. Es wäre doch langweilig, wenn alle das gleiche schön finden würden. Insofern ist die Bedeutung des Prädikats „geschmackvoll“ meiner Meinung nach schwierig zu definieren (mal abgesehen von designierten Präsidenten, da ist der Fall ab einem gewissen Grad einfach nur glaskar, danke Meryl!).

Ich denke schon, dass ich Geschmack habe und zwar in dem Sinn, dass ich zum Beispiel Farben ganz gut untereinander kombinieren kann und weiß, was mir steht und wovon ich lieber die Finger lasse. Und auch in Sachen Einrichtung und Accessoires sagt man es mir nach.

Durch das Nähen eines inzwischen Großteils meiner Kleidung habe ich ganz bestimmt meinen eigenen Stil gefunden, der irgendwo zwischen 50er Jahre Mädchen mit Hang zu fragwürdigen Mustern, Zooey Deschanel und Amélie in Ihrer fabelhaften Welt liegt. Im Büro werde ich von Kollegen schon mal gefragt, warum ich denn heute keinen Tellerrock trage. Wenn der fehlt, fällt das also schon auf und scheint inzwischen schon so etwas wie ein Markenzeichen von mir zu sein. Ist doch fein.

 

Wenn Du Dich nur mit Klamotten beschäftigen würdest, und man dich als Expertin nach deiner Stil-Philosophie fragen würde, was würdest du sagen?

Trag, was dir gefällt und das mit einem Höchstmaß an Grandezza! Achte darauf, worin du vorteilhaft aussiehst, sei gepflegt und versuche deine Persönlichkeit mit deinem Äußeren zu unterstreichen. Sei dabei immer du selbst und verkleide dich nicht. Dann wird alles Gut!

 

Danke Nico, das hat Spaß gemacht, ich bin gespannt auf deine nächsten Fragen!

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8 replies »

  1. Liebe Nadine,

    es hat Spaß gemacht, deinen Beitrag zu lesen – wie ähnlich und wie unterschiedlich die einzelnen Beiträge einander sind. Toll!
    Dass du im Büro „die mit den Tellerröcken“ bist, finde ich ziemlich großartig.

    Liebe Grüße,
    Sabrina

  2. Schön, daß Du dabei bist! Es ist unglaublich spannend, zu lesen, wie andere das beantworten. Und Grandezza ( was für ein schönes Wort!) ist immer gut! 🙂 LG, Nico

  3. Das ist ja mal ein total spannendes Buch und ne geniale Aktion dazu. Danke fürs teilen, hat Spaß gemacht deine Gedanken dazu zu lesen. Inspiriert zum mitmachen. Ich musste etwas wegen Herr B. schmunzeln, mein Freund schaut auch oft skeptisch 😅 solange wir uns wohl fühlen ist das aber völlig irrelevant ne 😉

Ich freue mich über deinen Kommentar!

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