Me Made Mittwoch #43: Der Gertiemantel

Nachdem ich im letzten Jahr endlich gelernt habe, wie man ein Kostüm näht, habe ich mir für den Weihnachtsurlaub mit viel, viel Zeit zum Nähen eine neue Herausforderung gesucht. Ein Gertie-Mantel nach Butterick 5824 sollte es werden. Inspiriert hat mich dazu K* von Himmel * und Zwirn mit Ihrer wunderschönen Version, die sie zum Finale des Wintermantel Sew-Alongs 2016 gezeigt hat. Ich fand das Futter so traumhaft schön und konnte es zum Glück hier noch ergattern. Die Sorge, es könnte Schwierigkeiten bei der Verarbeitung machen, war zum größten Teil unbegründet, nichts hat sich verhakt und die Maschine konnte ihn relativ mühelos transportieren.

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Material für den Mantel nach Gerties Butterick Schnitt B5824: Pfeffer-und-Salz-Wollstoff an traumschönem Steppfutter, das sich übrigens besser als gedacht verarbeiten lies.

Das Futter war mit 16 € per Meter nicht ganz günstig, aber ich war hoffnungslos verliebt und es gab keinen Weg daran vorbei. Für den Oberstoff entschied ich mich deshalb für eine etwas günstigere Wollmischung vom Stoffekontor. Mir gefiel die kombinierfreudige Salz-und-Pfeffer Optik und dem ersten Mantel sollte nicht gleich (noch) ein sündhaft teurer Stoff zum Opfer fallen. Leider achtete ich beim Kauf im Internet nicht darauf, dass der Plastikanteil des Stoffes sehr überwiegt. Geliefert wurde zur Strafe für den kleinen Preis dann keine besonders tolle Qualität, der Stoff neigt zum Pillen und er stank gar fürchterlich nach dem Auspacken. Auch Waschen half nicht viel. Es geht wohl doch nichts über Stoffkauf vor Ort mit Riechen und Fühlen! Im Geschäft bekommt man aber nun mal nicht immer, was man gerade sucht und egal, ich wollte loslegen, das wird schon verfliegen, hoffte ich. In meinem Nähwahn nahm ich den Geruch irgendwann auch gar nicht mehr war.

Weil ich Angst hatte, den fertigen Mantel mit misslungenen Knopflöchern zu ruinieren, habe ich mich für drei große Druckknöpfe entschieden. Hätte ich gewusst, wie ewig es dauert die Ober- und Unterteile anzunähen, wäre diese Entscheidung vermutlich anders ausgefallen. Dennoch bin ich mit dieser unsichtbaren Verschlußart sehr zufrieden, die Knöpfe halten dem nicht gerade geringen Gewicht des Mantels (immerhin knapp 5m Oberstoff und 3,2m Futter!) sehr gut stand.

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Den Mantelsaum mit geschätzten 103m Länge habe ich einige Folgen Downton Abbey lang von aussen unsichtbar mit Hexenstich umgenäht, genauso dann daran mit etwas lockererem Stich das Futter. Das hat im Rückenbereich eine praktische extra Falte für mehr Bewegungsfreiheit.

Nach drei Tagen Hardcore-Zuschneiden und -Nähen sowie einem kompletten Sonntag auf dem Sofa mit kilometerweise Hexenstich am Mantelsaum war das gute Stück dann endlich fertig. Und ich todunglücklich. Nicht etwa, weil der Mantel missraten wäre, sondern weil er immer noch so furchtbar stank! Das hatte ich während der Arbeit irgendwie komplett ausgeblendet. Wie doof muß man sein, soviel Arbeit in etwas zu investieren, das man dann nicht tragen kann?! Nach ein paar Wochen auf dem Balkon und einer Flasche Febreeze ist der Gestank nun beinahe gänzlich verschwunden und ich kann den Mantel endlich tragen.

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Es tobt und tanzt sich prima damit im Schnee.

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Für Euch getestet, auch wenn an im Schnee landet, hält der Mantel noch schön warm.

Merke: Wirf Schnee niemals gegen den Wind vor dir in der Luft herum…

Für die Fotos gebührt wieder einmal großer Dank an Herrn B., der trotz Erkältung tapfer im Wald rund um den Hainig-Turm freundlich geknipst hat. Bei unserem kleinen Waldspaziergang hatten wir Glück und der Turm war sogar offen. Na dann rein und hoch!

Was ein Glück, der Turm war geöffnet…

…der Wendeltreppenaufstieg wurde mit einer grandiosen Aussicht bei strahlendem Sonnenschein belohnt.

Der Mantel war leichter zu nähen als gedacht und ich werde mir sicher noch einen dünneren für den Frühling machen. Allerdings mit ein paar kleinen Änderungen:

  • Die Taille sitzt mir zu tief, sie muß mindestens 3-5cm weiter nach oben wandern. Im Moment reguliere ich dieses Silhouetten-Manko einfach mit einem Gürtel, durch das grisselige Muster fällt nicht sofort auf, dass die Taillennaht eigentlich weiter unten sitzt.
  • Laut Maßtabelle dachte ich, ich brauche in der Taille eine Größe 16, die war im Schnitt gar nicht mehr enthalten. Was ich zusätzlich frei Schnauze dazu gegeben habe war aber gar nicht nötig, der Mantel fällt also relativ groß aus.
  • Das Rockteil kann gerne noch 3cm länger sein, dann würden die meisten meiner Röcke nicht mehr darunter hervorblitzen, ich werde zum Originalschnitt also nicht mehr 12, sondern nur noch höchstens 9cm abschneiden. Leider habe ich mich blöd dabei verrechnet, was für das Einschlagen des Saumes noch weg fällt und nun ist mir der Mantel einen Ticken zu kurz.
  • Ich werde qualitativ hochwertigeren Oberstoff kaufen, auch wenns weh tut, denn der Mantel frisst knappe 5 m Stoff.

Mit Gürtel bekommt der Mantel eine gefälligere Silhouette.

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Ohne Gürtel geht schon auch, aber mit sieht es einfach besser aus.

Ich mag besonders die Kombination von Vintage-Brosche und rotem Gürtel zu Pfeffer und Salz. Andere Farben gehen dazu aber sicher auch prima.

Auch wenn der Mantel mich einige Mühe, Nerven und Zeit gekostet hat, kann ich nur sagen: Nähen macht wirklich glücklich! Es ist so schön, wenn das Wunschteil endlich fertig ist und man es voller Stolz auf das Vollbrachte tragen kann. Noch mehr glückliche Menschen in selbstgenähter Kleidung gibt es wie jeden Mittwoch hier.

Ich bin sehr glücklich, dass ich nun meinen Wunschmantel habe, ein richtiges Wohlfühlteil, jetzt, wo der Stoff endlich nicht mehr stinkt…

 

 

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24 replies »

  1. Dein Mantel ist so schön geworden! Mein Mantel sieht leider nicht mehr ganz frisch aus. Der Winter hat schwarze Spuren auf dem hellen Oberstoff hinterlassen, der auch sehr pillt. Mal sehen, wie ich ihn am Ende des Winters auffrischen kann. LG, K*

  2. Dein Mantel ist wunderschön geworden! Und der Gürtel dazu perfekt mit der Mütze!
    Schade das der Stoff so gestunken hat, ich hatte auch mal so einen ganz am Anfang meiner Nähzeit, den habe ich dann allerdings leider wegschmeißen müssen.
    Die Länge würde ich gar nicht unbedingt länger machen, ich finde es sehr edel aus, wenn ein Fingerbreit der Saum des Kleides/Rockes noch rausschaut. 🙂
    Liebe Grüße,
    Beccy

  3. Was für ein wunderhübscher Mantel und was für wunderhübsche Fotos 🙂

    Wie ärgerlich es ist, so einen Stoff zu bekommen, wenn man einen ganz anderen erwartet hat. Bzw. die Qualität des Stoffes. Aber dafür ist die Umsetzung hervorragend geworden!

  4. Wow, echt toller Mantel! Es hat sich gelohnt, absolut! Gegen den Restgestank kannst du ja noch Parfüm draufgeben, hat bei einer meiner Taschen geholfen ;o) lg, Raphaele

  5. Der Mantel sieht so schön warm und schmeichelhaft aus! Und das Futter ist echt einfach der Hammer! Ich glaube, ich würde ihn falschrum tragen um allen Menschen die niedlichen Eulen zu zeigen!

  6. Wow, ist der toll geworden! Steht dir ausgezeichnet und ist das perfekte Obendrüber für deine Kleider. In das Futter bin ich auch ganz verliebt, meine nächsten Jacken brauchen auch unbedingt ein schöneres als einfarbiges Futter! Gut, dass du den Geruch noch rausbekommen hast, wäre sonst viel zu schade um das schöne Stück.

    Liebe Grüße
    Julia

  7. Ich bin ebenfalls schwer begeistert. Der Mantel sieht toll an Dir aus… ich bin ganz optimistisch, dass der Stoff hält und lange Freude macht.
    Liebe Grüße Michaela

  8. Wunderschön! Ich hoffe, dass der Mantelstoff lange durchhält. Es wäre zu schade, wenn er nur eine Saison schön ist. Weil das Futter so einmalig ist, würde ich mir wahrscheinlich die Mühe machen und es heraustrennen, um es wieder zu verwenden. Aber so weit ist es ja noch nicht. Jetzt erst mal VIEL Freude an diesem wunderschönen Mantel! LG, Nina

  9. Eine wunderschöner Mantel, Hammerfutter und tolle Fotos – einfach ein wunderbarer Post! Vielen Dank.
    Ich bin an sich schmerzbefreit, wenn es um Kunstfaser geht. Da gibt es ja wirklich schöne Qualitäten. Aber online ist das tatsächlich ein großes Risiko. Ich drücke die Daumen, dass der Stoff „durchhält“ Er sieht toll aus.
    Ich habe Glück und genug Möglichkeiten, Stoffe live zu kaufen. Da kann man anfassen und anhalten und merkt sofort, wenn sich etwas merkwürdig anfühlt oder elektrisch auflädt.
    LG
    Wiebke

  10. Toll ist Dein Mantel geworden, die Knöpfe vermisse ich gar nicht. Und das Futter ist zusätzlich ein Traum, da hätte ich auch zugeschlagen. Ich hab‘ mir für dieses Jahr vorgenommen weniger online zu bestellen und lieber vor Ort zu schauen. Wobei das natürlich hier in Hamburg auch kein Problem ist, Stoffhändler gibt es hier einige… Die Fotos sind übrigens auch klasse! LG, Tanja

  11. Welch schöner Post ! Dein sehr gelungener Mantel und die schönen sonnig-winterlichen Bilder sind gerade am trüben Morgen ein Freumoment.
    lG silke

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