Stilprägung -Was wir tragen, was wir sind #2

Nico von Art und Stil fragt uns in der zweiten Runde Ihrer spannenden Blogaktion folgende Fragen zum Thema Stilprägung:

blogserie1_stilpraegung

 

Welchen kulturellen Hintergrund hast du, und wie beeinflusst er deinen Kleidungsstil?

Aufgewachsen bin ich am Rande einer hessischen Kleinstadt, alles sehr unaufgeregt, wenig inspirierend und ohne den kleinsten Hauch Extravaganz in den Straßen. Provinz eben.

In der Schule war ich nie eins von den coolen Mädchen mit den angesagtesten Klamotten. Mein Credo war damals  immer „lieber nicht auffallen“, obwohl meine Eltern durchaus versucht haben, mir ein gesundes Selbstbewusstsein mitzugeben. Jeans und Pullover und fertig. Keine Grufti, Punk oder sonstwas Phase. Ganz brav und langweilig, ich wusste noch nicht so recht wohin mit mir.

Erst so ab Mitte 20, nach dem Studium, habe ich für mich selbst begriffen, was ich alles kann und wer ich eigentlich bin. Damals habe ich erst sehr zaghaft angefangen, mich mehr und mehr in Sachen Kleidung zu wagen.

Förmlich explodiert ist meine Affinität zum Textil dann vor ein paar Jahren durch die Näherei. Ein ganz neues Universum tat sich auf, von der Stange kaufen kann ja jede(r). Das Nähen meiner Garderobe, die heute ganz im Gegensatz zu früher aus bestimmt 80% Röcken und Kleidern besteht,  hat einen großen Anteil daran, dass ich mittlerweile in meinem ganz persönlichen Stilhafen angekommen bin, auch wenn ich nach wie vor gerne experimentiere.

 

Hast du von deinen Eltern etwas über Kleider, Anziehen oder Stil gelernt? Woran erinnerst du dich konkret? Haben sie dir diese Dinge beigebracht oder hast du sie dir abgeschaut?

Wenn ich den Erzählungen meiner Mutter glauben darf, wusste ich in Bezug auf Kleidung schon früh, was ich wollte und hatte da meinen eigenen Kopf, auch wenn das nicht unbedingt stilvoll oder später besonders auffallend war. Meine Mutter wollte mir in den 80ern für den Kindergarten zum Beispiel immer gerne lässige und praktische Latzhosen anziehen, während ich „stilsicher“ immer wieder zu einem rosa-karierten Rüschenrock griff. Den hat mich meine Mama auch zähneknirschend tragen lassen und ich fühlte mich großartig in dem grauenhaften Ding. So soll es doch auch sein, finde ich. Niemand sollte etwas tragen müssen, in dem er sich nicht wohlfühlt.

Abgeschaut habe ich mir bei meinen Eltern glaube ich zum Thema Kleidung eigentlich nichts, einen Lehrgang „Wie ziehe ich mich richtig an?“ habe ich auch nie erhalten, ich durfte da wie gesagt ganz mein eigenes Ding machen. Und das war früher eben eher unauffällig und nicht sehr spektakulär. Komische Blicke von Passanten aushalten will nämlich auch gelernt sein und hat viel mit Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein zu tun. Mittlerweile bin ich beim Thema Mode sehr viel extrovertierter und beinahe beleidigt, wenn nicht wenigstens eine(r) blöd beim Stadtbummel hinter mir schaut. 😉

Von meinem Papa könnte mir allerdings die Vorliebe für auffällige Accessoires und Schnickschnack in die Wiege gelegt werden sein, er liebt zum Beispiel seine roten Schuhe, den Türstopper in Schweineform oder Hinstellerchen jeder Art. Ich trage gerne ungewöhnlichen Schmuck, am liebsten Vintage, ebenfalls ausgefallene Schuhe und mag gerne Döschen, Vasen oder Gläser. Dafür findet sich immer ein Plätzchen.

 

Zeig uns ein Foto von deiner Mutter aus der Zeit, bevor sie Kinder hatte, und beschreibe, was du siehst.

collage-mama

Die Fotos sind ca. 45 Jahre alt, sagt meine Mutter, die wie ich finde darauf ein ziemliches Schnittchen mit einem sehr hübschen Lächeln ist. Nicht besonders extravagant, aber trotzdem schöne alltagstaugliche Outfits, die der damaligen Mode entsprechen. Würde ich so auch heute noch tragen.

Zu der Entstehungszeit der Bilder nähte meine Mama auch einen großen Teil Ihrer Kleidung selbst und das Shirt ist selbst gefärbt, eine kreative Frau also. Mitte der 90er, als ich so 15,16 war, waren irgendwann auch Schlaghosen und Co. mal wieder angesagt und ich weiß noch, wie enttäuscht ich war, dass meine Mutter all Ihre schönen Kleidungsstücke, die ich von Fotos aus den 70er-Jahre Alben kannte, doch tatsächlich alle weggegeben hatte.

 

Kannst Du etwas dazu sagen, inwiefern deine Figur und Dein Stil mit deiner Mutter zu tun haben, oder auch nicht?

Vom Gesicht und von der Figur her, bin ich sicher sehr nah an meiner Mutter geraten. Wir haben helle Haut, sind beide nicht besonders groß und neigen zur Birnenfigur, also oben eher schmal und unten rum wird es dann mehr. Meinen etwas größeren Hintern und die kräftigen Oberschenkel (wirklich dick war ich dabei übrigens nie) fand ich lange Zeit so schrecklich, dass ich versuchte, sie mit langen Pullovern zu kaschieren, bis ich irgendwann Begriff, dass das alles ja nur „schlimmer“ machte. Und, dass mein vermeintlicher Makel auch gar keiner war, weil -oha- ja gar nicht alle Männer Magermodels zur Freundin haben wollen, die in eine Jeans Größe 32 passen. Das geht bei mir aufgrund des ausladenden Beckens nämlich wahrscheinlich auch bei magerstem Gewicht nicht.

Darin und, dass ich genauso, wie ich bin perfekt bin hat mich meine Mutter auch immer bestärkt, auch wenn man das mit 16 nicht wirklich glauben möchte und lieber dem Zeitschriftenideal hinter schmachtet.  Ich bin so dankbar, dass ich keine „Eiskunstlaufmutti“ hatte, die ständig an meinem Gewicht oder generell meinem Aussehen rumgenörgelt hat, das stelle ich mir sehr lästig vor.

Vom Kleidungs-Stil her sind wir eher unterschiedlich, was schon allein durch den Altersunterschied gegeben ist. Aber nicht nur,  ich war so gut wie nie im Schrank meiner Mutter shoppen, in diesem Punkt gehen die Geschmäcker zu weit auseinander. Trotzdem mag ich, was meine Mutter trägt, zu ihr passt es nämlich und das ist das was zählt.

Daran, dass ich überhaupt nähe und sich besonders in den letzten Jahren mein Kleidungsstil komplett verändert hat, hat meine Mutter übrigens einen sehr großen Anteil, da ich mit 16 von ihr gelernt habe, wie das überhaupt geht. Danke Mama!

 

Zu den Antworten der anderen Teilnehmer/innen geht es hier entlang. Viel Vergnügen!

 

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5 replies »

  1. Meine Mama hat mich auch ans Nähen gebracht! Wie dir war mit Mode lange Zeit nicht besonders wichtig, allerings habe ich meine Pubertät genutzt um so richtig aufzudrehen und Klamottenmässig zu rebellieren. Die Fotos deiner Mutter erinnern mich an meine. Nur die Haare waren anders! ^^

  2. Meine Mama hat mir auch nähen beigebracht! Ich finde es gut, dass du noch individuellen Stil gelernt hast, auch wenn es erst spät war. Ich denke, dass bei mir die rebellischen Teeniejahre viel zu den Ecken und Kanten meines Stils beigetragen haben. Mit bunten Haaren gewöhnt man sich daran, dass man angeguckt wird. Mir ist es mittlerweile echt egal.

  3. Deinen Post habe ich gerne gelesen (und musste natürlich sofort zu den Grün-Experimenten hinüberklicken – was für wundervolle Outfits du zusammengestellt hast. Richtig, richtig toll!). Vielen Dank für deine Einblicke!

    Liebe Grüße,
    Sabrina

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